Microverse-Mikrobe des Jahres 2025: Candida albicans – der heimlicher Mitbewohner

Candida albicans in the yeast and hyphae form on human epithelial cells. Image: Gudrun Holland, Muhsin Özel, Katherina Zakikhany and Bernhard Hube / Leibniz-HKI

Zum internationalen Tag der Mikroorganismen kürt der Exzellenzcluster „Balance of the Microverse“ die Microverse-Mikrobe des Jahres 2025. Die Wahl fiel auf Candida albicans, ein Hefepilz, den bis zu 95 Prozent der Menschen in sich tragen. Normalerweise ist er ein harmloser Mitbewohner auf unseren Schleimhäuten. Doch wenn das Gleichgewicht im Körper kippt, kann Candida albicans seine andere Seite zeigen.

Vom Mitbewohner zum Krankheitserreger

Die Welt der Pilze ist groß: Forschende schätzen, dass es drei bis fünf Millionen verschiedene Arten gibt. Nur ein Bruchteil davon, etwa 150 bis 400 Arten, kann beim Menschen Erkrankungen auslösen. Infektionen entstehen dabei auf zwei Wegen: Entweder durch exogene Erreger aus der Umwelt, wie etwa Schimmelpilze, oder durch endogene Erreger, die Teil des menschlichen Mikrobioms sind. Candida albicans gehört zu den endogenen Erregern.

Der Hefepilz lebt meist harmlos in uns, kann aber in bestimmten Situationen krank machen. So sind Schleimhautinfektionen mit Candida albicans weit verbreitet. Zwei Drittel aller Frauen erleben beispielsweise im Laufe ihres Lebens mindestens einmal eine vaginale Candida-Infektion. Bei Säuglingen, älteren Menschen oder Patient*innen mit geschwächtem Immunsystem können zum Beispiel Infektionen der Mundschleimhaut auftreten.

Gefährlich wird es, wenn der Pilz bei schwer erkrankten Menschen in die Blutbahn gelangt. Solche systemischen Infektionen können lebensbedrohlich sein. Weltweit werden jedes Jahr rund 1,5 Millionen Fälle registriert, die mit einer Sterblichkeitsrate von etwa 35 Prozent verbunden sind. So wird aus einem unscheinbaren Mitbewohner ein medizinisch hochrelevanter Erreger.

Forschung im Fokus

Am Leibniz-HKI in Jena widmet sich Prof. Bernhard Hube seit vielen Jahren der Erforschung der Mechanismen, die Infektionen durch Candida albicans ermöglichen. Gemeinsam mit seinem Team untersucht er, wie der Pilz Schleimhäute besiedeln kann und welche Mechanismen zu Infektionen führen können.

„Es gibt kaum einen Mikroorganismus, der so häufig mit dem Menschen assoziiert ist und gleichzeitig so häufig Infektionen auslösen kann wie Candida albicans. Wenn wir besser verstehen, wie gesunde Menschen und ihr Mikrobiom den Pilz kontrollieren, können wir in Zukunft auch eher Infektionen vermeiden und bekämpfen.“

Mehr als nur ein Keim

Mit der Wahl zur Microverse-Mikrobe 2025 möchte der Exzellenzcluster „Balance of the Microverse“ zeigen: Candida albicans ist Teil unseres alltäglichen Lebens und zugleich ein Warnsignal für die Gefahren, die entstehen, wenn das Gleichgewicht zwischen Menschen und Mikroorganismen gestört wird. Jede neue Erkenntnis über den Hefepilz hilft, Infektionen vorzubeugen, schneller zu diagnostizieren und wirksamer zu behandeln.