Neue Wirkstoffe brauchen starke Partnerschaften
Bundestagsabgeordneter Sascha van Beek zu Gast am Leibniz-HKI in Jena
von Kerstin Breuer (Leibniz-HKI)
Infektionskrankheiten gehören nach wie vor zu den großen Herausforderungen für die globale Gesundheit. Neue Wirkstoffe, Therapieansätze und Diagnoseverfahren sind dringend erforderlich. Doch wie gelingt die Entdeckung neuer Wirkstoffe? Und wie schaffen vielversprechende Ansätze den Weg vom Labor in die Anwendung? Darüber informierte sich Sascha van Beek MdB (CDU) am 13. August 2026 bei einem Besuch am Leibniz-Institut für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie (Leibniz-HKI) in Jena – eine Station seiner Sommertour zu vernachlässigten Tropenkrankheiten (Neglected Tropical Diseases, NTDs). Gemeinsam mit Forschenden und Vertretern der Analytik Jena GmbH+Co. KG und der HAPILA GmbH diskutierte er, wie Ergebnisse aus der Forschung schneller in die Anwendung gebracht werden können, um effektiver gegen Infektionskrankheiten vorzugehen.
Van Beek ist Sprecher des Parlamentarischen Beirats des Deutschen Netzwerks gegen vernachlässigte Tropenkrankheiten (DNTDs). Seine fünftägige Sommertour führte ihn zu Hilfsorganisationen, Pharmaunternehmen und Forschungseinrichtungen, um sich über neue Ansätze im Kampf gegen diese Erkrankungen auszutauschen.
Neue Wirkstoffe dringend gesucht
Vernachlässigte Tropenkrankheiten umfassen eine Vielzahl sehr unterschiedlicher Erkrankungen, darunter etwa Dengue-Fieber, Leishmaniose oder die Flussblindheit. Oft werden sie durch Infektionserreger wie Bakterien oder Pilze verursacht. Damit traf das Thema von van Beeks Sommertour bei der Station in Jena unmittelbar auf die Expertise des Leibniz-HKI: Hier erforschen Wissenschaftler*innen, welche Mechanismen Infektionen zugrunde liegen, und untersuchen das Potenzial von Naturstoffen für neue Wirkstoffe und Diagnoseverfahren. Ein Beispiel ist der Naturstoff Corallopyronin A, der als möglicher Wirkstoff gegen Wurmerkrankungen wie Flussblindheit und lymphatische Filariose weiterentwickelt wird.
Zum Auftakt des Besuchs von van Beek gaben Institutsdirektor Prof. Dr. Axel Brakhage und Prof. Dr. Ute Hellmich von der Friedrich-Schiller-Universität Jena Einblicke in die Grundlagen der Infektionsforschung und in die Suche nach neuen Wirkstoffen. „Antiinfektiva sind die Eckpfeiler der modernen Medizin. Ohne sie wären viele Operationen und intensivmedizinische Maßnahmen unmöglich. Gleichzeitig nehmen Resistenzen zu und für viele Infektionskrankheiten brauchen wir dringend neue Wirkstoffe. Dabei ist exzellente Grundlagenforschung ebenso entscheidend wie die Zusammenarbeit mit den richtigen Partnern, um vielversprechende Ansätze in die Anwendung zu bringen“, erklärt Brakhage.
Innovation im Zusammenspiel von Forschung und Mittelstand
Wie dieses Zusammenspiel funktionieren kann, erlebte van Beek im Austausch mit Forschenden des Leibniz-HKI und regionalen Kooperationspartnern aus der Wirtschaft. So lernte er die hochmoderne Robotik-Plattform JenXplor kennen, die am Leibniz-HKI die Automatisierung von Experimenten ermöglicht und die Suche nach neuen Antiinfektiva beschleunigt. Die Plattform wurde gemeinsam mit der Analytik Jena GmbH+Co. KG konzipiert und umgesetzt. Analytik Jena brachte dabei ihre Expertise als Technologie- und Lösungsanbieter für Laboranalytik und -automatisierung ein.
Auch bei der Weiterentwicklung vielversprechender Arzneistoffkandidaten arbeitet das Leibniz-HKI eng mit verschiedenen Partnern zusammen, etwa beim Tuberkulose-Wirkstoff BTZ-043. Das chemisch-pharmazeutische Unternehmen HAPILA GmbH aus Gera ist seit 2014 an der Weiterentwicklung des am Leibniz-HKI entdeckten Wirkstoffs beteiligt. Dabei übernimmt HAPILA unter anderem die Herstellung des Wirkstoffs in den Mengen und unter den Qualitätsstandards, die für klinische Studien erforderlich sind. Gemeinsam mit dem Institut für Infektions- und Tropenmedizin am LMU Klinikum München wird BTZ-043 derzeit in zulassungsrelevanten klinischen Phase II Studien erprobt.
Für van Beek wurde in Jena sichtbar, wie viele Schritte und unterschiedliche Kompetenzen nötig sind, damit aus einer Entdeckung im Labor eine mögliche medizinische Anwendung und später auch eine marktfähige Innovation wird. Zugleich zeigte der Besuch, welche Rolle ein gut vernetzter Wissenschaftsstandort dabei spielt. Das Leibniz-HKI arbeitet eng mit der Friedrich-Schiller-Universität Jena zusammen. Zahlreiche Forschende des Instituts sind auch am Exzellenzcluster „Balance of the Microverse“ beteiligt.
Impulse für die politische Arbeit
„Der Kampf gegen vernachlässigte Tropenkrankheiten ist eine Frage globaler Verantwortung. Zugleich gewinnt das Thema durch den Klimawandel und die Ausbreitung übertragbarer Krankheiten auch für Deutschland an Bedeutung. Der Besuch in Jena hat mir anschaulich gezeigt, wie sich exzellente Forschung und die Technologien, Erfahrungen und Möglichkeiten von Industriepartnern ergänzen, damit aus Erkenntnissen im Labor konkrete Anwendungen entstehen. Für die Politik ist es wichtig, die Hürden auf diesem Weg zu verstehen und die richtigen Rahmenbedingungen zu schaffen, um Innovationen schneller zu den Menschen zu bringen, die sie benötigen“, sagt van Beek.
Vernachlässigte Tropenkrankheiten betreffen weltweit mehr als eine Milliarde Menschen. Auf seiner Sommertour vom 10. bis 14. August 2026 suchte van Beek den direkten Austausch mit Hilfsorganisationen, Unternehmen und Forschungseinrichtungen, um sich über Deutschlands Beitrag zur Bekämpfung dieser Erkrankungen zu informieren. Der Besuch in Jena ergänzte diese Perspektive um den Blick darauf, wie neue Wirkstoffe und Therapieansätze entstehen und was nötig ist, damit der Schritt von der Forschung in die Anwendung gelingt.